Krieg und Frieden – ein psychologischer Beitrag
1. Es ist eine Herausforderung, sich dem Thema vom psychologischen Standpunkt her systematisch zu betrachten
2. Was sind die psychologischen Grundlagen?
2.1. In der Natur ist innerhalb einer Spezies üblicherweise das soziale Zusammenwirken und die Kooperation entscheidend, nicht der Kampf gegeneinander.
2.2.Menschen sind auf Kooperation und soziales Zusammenwirken angelegte Wesen. Das sieht man schon beim kleinen Kind. Die Entwicklungspsychologie hat viele Ergebnisse hervorgebracht:
In besonderer Art und Weise ist der kleine Mensch daraufhin angelegt, dass eine innige Bindung möglich werden kann:
- Das Baby sieht zuerst scharf im Abstand von Brust zu den Augen der meist säugenden Mutter
- Das Baby reagiert auf stilisierte Gesichtsformen stärker
- Das Baby erkennt Bezugspersonen schon bald nach der Geburt an den Bewegungen, am Gang und am Geruch
- Das Baby ermöglicht es, dass durch Laute und Reaktionen auf andere eine Verbindung entsteht.
- Das Baby ermöglicht ein Hin- und Her, ein Abstimmen aufeinander. Es kann Gefühle entwickeln der Vertrautheit und der Freude in diesem Hin-und Her, wenn das angeregt und ausgebaut wird,
- Die Möglichkeit, dass sich eine besonders differenzierte Sprache im 2. Lebensjahr des Menschen sehr schnell entwickeln kann ermöglicht es, dass im Umgang mit interessierten und feinfühligen Erwachsenen ein inniger Austausch möglich wird, auch über die Vergangenheit und die Zukunft.
- Der Mensch hat eine ausgeprägte Mimik, die ebenfalls ein Hin-und-Her ermöglicht
- Das Baby ist in der Lage, sich in andere hineinzuversetzen. Es kann sehr früh auf Gefühle von anderen reagieren und kann sich im Gefühl anstecken lassen.
- Das Baby hat verschiedene Gefühlsmöglichkeiten, um sich dem anderen zu zeigen und kann sich erkennbar machen und diese Gefühle in einer guten Beziehung an die Realität anpassen.
- Wie sich die angelegten Möglichkeiten zur Kooperation entwickeln und ob sie sich entwickeln, hängt mit dem Umfeld ab. Von den Erziehungspersonen, von den anderen Erwachsenen hängt es ab, welche Gefühlswelt entsteht und ob das Kind gerne und spontan kooperieren kann und sich dabei ganz einbringen kann. Es hängt auch davon ab, ob die Eltern eingebunden sind in ein soziales Umfeld, welche Gefühle und welche Denkmöglichkeiten sie vorleben können und welche sie mit dem Kind entwickeln können. Es hängt auch davon ab, was die anderen Menschen in einer Kultur ermöglichen und in welchem Ausmass in einer Kultur Kooperation gelebt wird und wie weit eine Kultur die kooperativen Möglichkeiten des Menschen lebt.
- Das Kind deutet die Erlebnisse und macht daraus Erfahrungen und bildet sich in seinem Umfeld, dem sozialen Uterus sein Welt- und Menschenbild. Es bildet sich seine Art, dem Leben zu begegnen und ebenso seine gesamte Wahrnehmung: also. was ihm auffällt, was es wichtig nimmt, wo es sich zentriert, was ihn beschäftigt, was ihm nahekommt, was es phantasiert, wie es sich ausdrückt.
2.2. Wie kann es sein, dass Menschen dann aufeinander los gehen sich auch schädigen sich gegen andere wenden?
Der Mensch ist nicht festgelegt durch Instinkte. Er bildet sich erst seine Art, das Leben zu deuten, die Erlebnisse zu verarbeiten, bildet sich seine Verhaltens- und Reaktionsmöglichkeiten in einem Hin und Her in den ersten Lebensjahren. So kann es zu Irrtümern kommen, die besonders gross sind, wenn eine Kultur geprägt ist wie unsere christlich-abendländische und darauf aufbauend auch muslimisch-morgenländische Kultur vom starken Kampf «Gut gegen Böse» – wie es schon Zarathustra vorher gelehrt hatte.
In der Erziehung ging es jahrhundertelang darum, die Kinder mit Lob und Tadel bis hin zur Gewalt vor dem Bösen zu schützen und auf die richtige Bahn zu zwingen. Das Kind durfte nicht frei sein und mit den Erwachsenen zusammen gefühlsverbunden die Welt kennenlernen und zu erforschen. Die Irrtümer im Gefühlsleben führten die Erwachsenen dazu, die Kinder spontan oft mit roher Gewalt, oder mit bezwingendem Argumentieren, mit Beleidigt-Sein oder mit Traurig-Sein, mit Unverständnis, mit Rückzug auf das Richtige einzuschwören oder das Kind alleine zu lassen und es den eigenen Weg suchen zu lassen, es also zu vernachlässigen.
Das Kind wird älter und entwickelt falsche Schwerpunkte im Fühlen , Denken und Handeln. Es beschäftigt sich damit, auf der richtigen Seite zu stehen, nicht aufzufallen, sich nicht auffällig zu benehmen, denjenigen sich spontan anzupassen, die auf der richtigen Seite glauben zu stehen, nicht im Gegensatz zu stehen, selbst sicher zu sein, nicht abgehängt, ausgeschlossen zu sein, nicht in Gefahr zu sein, nicht mehr in Verbindung zu sein.
So kann es kommen, dass Menschen – wie bei uns überall -, soweit kommen, andere ebenfalls bezwingen zu wollen, bis der andere auf den richtigen Weg kommt, Gegner zu erkennen, sie unschädlich zu machen, sie abzulehnen, gegen sie vorzugehen, sie sogar zu bekämpfen.
Meistens bleibt das versteckt, wenn die Kultur nicht erlaubt, andere zu schädigen, kann aber sofort ganz deutlich werden,wenn es erlaubt wird.
Dann ist eigenständiges Denken sehr schwer, weil der Menschen sich brav anzupassen versuchte.
So haben in Deutschland viele Kinder von autoritären Eltern, die Diktaturen unterstützt hatten – auch weil diese soziale Wohltaten gefördert hatten -, sich in den 68er Jahren ausgerechnet dem Marxismus zugewendet, der die Diktatur des Proletariats gepredigt hatte und in der es keine Persönlichkeiten als Menschen gibt, sondern nur manipulierte Objekte durch die Gesellschaft. Es wäre ja naheliegender gewesen, die Schweizerische Direkte Demokratie und die Freiheit und die Verbundenheit anzustreben. Aber so folgte man wieder Marx und Engels, die schon 1850 die erste Internationale von Menschen, die die soziale Frage von Arm und Reich lösen wollte, so dominiert, intrigiert und zerstört, dass sie sich aufgelöst hat.
Sie merkten nicht, dass eine gleiche Geisteshaltung dahinter steht, dass man das Gute herbeiführen muss und dabei Menschen zerstören muss, die im Weg stehen, sei es an den Universitäten oder sonst im Leben und das Böse bekämpfen muss. Man folgte allgemein Herbert Marcuse, der «Repressive Toleranz» seinen Anhängern anpries, was nichts anderes heisst als diejenigen zu bekämpfen, die die eigenen Ziele ablehnen. Diese marxistischen Ideologen übernahmen die Grünen und die SPD. So kann man verstehen, dass sie innerlich vorbereitet sind, auch Krieg gegen das Böse zu führen und für das Gute. So hat als ein Beispiel der Grüne Joschka Fischer, der sich in seinem Buch aus dem Jahr 1998 vor dem Regierungsantritt «Für einen neuen Gesellschaftsvertrag» als Marxisten bezeichnet, der darin darlegte, dass man bewusst Krisen herbeiführen müssen, damit die Menschen Massnahmen akzeptieren, denen sie freiwillig nie zustimmen würden. Er inszenierte den ersten Krieg in Europa 1999 nach dem zweiten Weltkrieg, indem er wahrheitswidrig behauptete, man müsse in Serbien den Faschismus verhindern.
Das Prinzip, gegen das Böse mit Gewalt angehen zu müssen, erfasste die meisten, weil sie dafür eine Gefühls- und Denkvoraussetzung hatten. Die Parteimitglieder wussten nicht mehr, warum sie eigentlich einmal gegen den Krieg waren, weil sie das gesamte Prinzip der Gewalt nicht durchdringen konnten, dass es die Gefühls- und Denkverirrungen sind., die eine Anfälligkeiten für Gewalt darstellen.
So leuchtete ihnen ein, dass man mit Gewalt gegen die Russen und Putin vorgehen und mit Gewalt die eigenen geostrategischen Machtpläne und Rohstoffkontrolle gegen andere Ansprüche durchsetzen – und nahmen ohne weiteres viele Hunderttausende Tausende von Toten und für immer Verstümmelten und Zerstörung selbstverständlich in Kauf. Viele entschuldigten sich sogar demütig dafür, dass sie einmal gegen den Krieg gewesen seien, wo doch Aufrüstung, Terror, Tod und Elend sein müssten und man auf keinen Fall mit dem Todfeind reden dürfe und Auswege suchen dürfe. Das sei klare Schwäche, wenn man vor dem Atomkrieg Angst hätte. Selten sprach jemand davon, das schwache Männer Gewalt anwenden und starke Männer Frieden und Ausgleich suchen. Gerade Feministinnen bei den Grünen zeigten sich als besondere Gewaltpredigerinnen.
Das ist nicht zum Verzweifeln, sondern man kann dies verstehen lernen als mangelnde Auseinandersetzung mit psychologischen Hintergründen und unserer kulturellen Prägungen, die dabei erkennbar sind. Es braucht aber eine genaue Auseinandersetzung, so dass die eigenen inneren Stellungnahmen wissenschaftliche begründet und vernunftbasiert ist.
Wir haben jedoch in den letzten 3 Jahren erlebt , dass Menschen – ganz nationalistisch – nicht mehr angehört wurden oder als Künstler nicht auftreten durften, weil sie die russische Sprache sprechen und sich nicht dem Kriegsgeschrei angeschlossen haben, nur weil sie einer anderen Nation angehört haben. Man hat also sogar die bürgerlichen Freiheiten ausser Kraft gesetzt, um Gewalt zu rechtfertigen. Die Menschen wurden mittels schlimmster Verdächtigungen dazu verführt, nicht mehr nachdenken zu können, sondern Aversionen gegen Andersdenkende zu entwickeln.
Es ist wichtig, solche Fragen und Fakten zu durchdenken, um die Motive und Ursachen genau zu erfassen und fragend forschend daran heranzugehen, damit die Welt friedlich werden kann.