Lieber Filmliebhaber
15.45 Uhr Kochen
17.15 Uhr Essen, um Freundschaften aufzubauen und zu pflegen
19.00 Uhr Film privat anschauen
21.15 Uhr Besprechung
Das Drehbuch stammt von Sönke Wortmann, Rochus Hahn, Regie führte Sönke Wortmann
Wir freuen uns über jeden, der kommen kann und Freude am Besprechen hat.
Handlung:

1954, 9 Jahre nach dem Ende des 2. Weltkrieges, gewinnt Deutschland überraschend die Fußball-Weltmeisterschaft in der Schweiz. Ein Krieg kann nur geführt werden, wenn der Wunsch nach Zugehörigkeit und Bedeutung auf etwas Höheres ausgerichtet wird – wie eine Nationalität, eine «bessere» Kultur oder die Rettung einer abstrakten Weltsicht. Der Mensch wird missbraucht und funktionalisiert: Er unterwirft sein Leben und sein gesamtes Fühlen, Denken und Verhalten einer scheinbar guten Sache und gibt sich dabei selbst und die Mitmenschlichkeit ganz auf.
Dies ist nur möglich durch eine Erziehung, in der der einzelne Mensch sich unbedeutend, ausgeliefert und weitgehend unverbunden empfindet. Der Mensch hat dann nicht erlebt und glaubte nicht daran, dass er sein Leben selbst beglückend aufbauen kann – zusammen mit anderen. Er fühlt sich nur bedeutungsvoll und entwickelt Hochgefühle, wenn er zu einer höheren Aufgabe auserkoren wird. In dieser Verwirrtheit der Gefühle lässt er sich sogar auf die Schlachtbank führen und opfert voraussehbar seine Familie, Ehepartner, Kinder, Freunde, Beruf, Gesundheit oder das Leben und sein Hab und Gut. Wenn das angestrebte Höhere durch einen Krieg verloren geht, fühlt er sich gedemütigt und erniedrigt – statt vom Elend befreit.
Statt der Friede an sich und das gemeinsame Leben, führte für viele Deutsche erst der Sieg in der Fußball-Weltmeisterschaft wieder zu einem Gefühl, jemand zu sein.
Der Film „Das Wunder von Bern“ zeigt aus deutscher Sicht die Weltmeisterschaft. Gleichzeitig erlaubt es das Drehbuch, nachzuvollziehen, was der Krieg und die 11-jährige Gefangenschaft eines Vaters für eine Familie, die Familie Lubanski, bedeutet. Die Mutter hatte sich alleine mit ihren 3 Kindern in den verelendeten Nachkriegsjahren durchgekämpft – jahrelang in der Hoffnung, dass sie sich bei ihrem Mann anlehnen und das Leben gemeinsam gestalten könnte. Als der Vater heimkommt, ist er ausgezehrt und psychisch zutiefst betroffen, voller Ängste aus dem Kriegsgeschehen. Er glaubte, alleine für die Familie zuständig sein zu müssen und alleine wieder das Geld zu verdienen, um seine Frau zu entlasten. Er versuchte mit Gewalt in der Familie wichtig zu werden, indem er mit Disziplin eine höhere Ordnung herstellte, in der Zuneigung und Milde nicht vorkommen.
Zufällig versteht seine Frau, dass seine Erziehung und all seine unmenschlichen Erlebnisse in Krieg und Gefangenschaft ihn von den Menschen fernhalten. Sie verurteilten ihn nicht dafür. Sie erklärt sogar ihren Kindern, dass ihr Vater ein Opfer dieser Kriegstreiberei und Disziplinierung ist und er sich wieder der Menschlichkeit annähern muss. So taucht in seiner Fantasie im ganzen Alltagsleben immer wieder das angsterregende Kriegsgeschehen auf und erschüttert ihn.
Seine Frau versteht seine seelischen Verstümmelungen und bringt ihrem Mann einfühlsam eine neue Sicht auf das Leben nahe. Sie vertrauen darauf, dass er sich verändern kann und ermöglicht ihm damit, dass er ihnen nicht fremd bleibt und in ein gefühlsverbundenes Leben eintauchen kann. Er kann innerlich mit der Zeit freudvollere Tage aufleben lassen und seine seelischen Wunden mit ihr ausheilen. Im Film ist gut nachvollziehbar, wie er nach und nach liebevoll, verständnisvoll und mitfühlend werden kann. Dies wird besonders deutlich daran, wie er sich seinem Jüngsten annähert, mit dem er die Fußballleidenschaft teilt. Symbolisch kann er seine Tränenlosigkeit überwinden, was seine Annäherung an die Mitmenschlichkeit aufzeigt.
Dieselbe Botschaft vermittelt eine Schweizer Putzfrau dem Trainer der deutschen Fußballmannschaft, Sepp Hersperger, der selbst seinen Lieblings-Fussballspieler «gerechterweise» sanktionieren und von der Mannschaft ausschliessen will, weil dieser gegen die auferlegten Regeln verstoßen hat. Sie plädiert entschieden für ein anderes Menschenbild: Milde statt Strafe – als Beispiel für einen gefühlsverbundenen Umgang, der auch die Disziplinierung verhindert, durch den Krieg erst möglich wird.
Ein weiteres Beispiel für einen immer verständnisvolleren Umgang unter Menschen, zeigt sich anhand eines Sport-Reporters der von der Chef-Redaktorin auserkoren wird, von der Weltmeisterschaft berichten zu dürfen, just zur Zeit seiner Hochzeitsreise mit seiner Frau. Auf berührende Weise löst das Ehepaar diese konfliktträchtige Situation auf, indem er sie um Verständnis für seine Karrieremöglichkeiten bittet. Sie als eingefleischte Anti-Fußballerin aus großbürgerlichem Haus begleitet ihn sogar zum Proletarier-Sport nach Bern und zeigt ihm damit ihre Liebe. Genauso begeistert er sich für sie, so dass er darauf verzichtete, privilegiert mit dem Zug der Weltmeister mitzureisen, um stattdessen ihre Schwangerschaft zu feiern.
Die Drehbuchautoren Sönke Wortmann und Rochus Hahn zeigen einfühlsam und detailliert viele psychologisch entscheidende Vorgänge auf, die zu einem friedlichen und verständnisvollen Zusammenleben führen.
Weitere Daten 2026 für den FIlmabend – immer am letzten Samstag des Monats:
28.3., 25.4., 30.5., 27.6., 29.8., 26.9., 31.10., 28.11., 19.12.



Das Wunder von Bern (der Trailer auf youtube)