Freitag, 28. August 2026

«Glück auf einer Skala von 1 bis 10»


Liebe Filmliebhaber
Wir laden Sie und Euch ein, am Samstag, 28. August 2026 um 19.30 Uhr den 92 Minuten dauernden schweizerisch-französischen Spielfilm «Glück auf einer Skala von 1 bis 10» (Original «Presque») aus dem Jahr 2021 in Dübendorf, Im Schossacher 17, 3. Stock, privat anzuschauen und danach gemeinsam zu besprechen.

Das Drehbuch stammt von Hélène Grémillon zusammen mit den beiden Hauptdarstellern Bernard Campan und Alexandre Jollien, die auch Regie führten.
Um 17.30 essen diejenigen zusammen, die gerne Freundschaften aufbauen und pflegen wollen. Wer bei der Vorbereitung des Essens helfen will, kann gerne ab 16.00 Uhr mithelfen. Wir freuen uns auf einen gemütlichen und bereichernden Filmabend!
Für alle, die nicht kommen können, können sich diesen interessanten Film auch zu Hause anschauen. Marcel kann sagen, wie man ihn findet.

Ab 21.00 Uhr können wir – auch über zoom – den Film besprechen.
Wir freuen uns über jeden, der kommen kann und Freude am gemeinsamen Besprechen hat.
Sie können sehr gerne diese Einladung an andere Interessierte verschicken.
Kosten 20. SFr

Weitere Daten für Filmabende: Immer am letzten Samstag des Monats (ausser Juli und Dezember) – zum Eintragen in die Agenda
26. September
27. Oktober
28. November
29. Dezember

Der Roadmovie «Glück auf einer Skala von 1 bis 10» (Original «Presque» («Beinahe») basiert auf den Lebenserfahrungen von Alexandre Jollien mit seiner cerebralen Kinderlähmung. Er ist Philosoph, Autor und einer der Drehbuchschreiber, Regisseur und Hauptdarsteller. Das Drehbuch schrieb er zusammen mit seinem Freund Bernard Campan, mit dem er ebenfalls Regie führte und der den zweiten Hauptdarsteller spielt. Die These des Psychologen Alfred Adler (1870 – 1937) wird bestätigt, dass eine (organische) Schwäche im Vergleich zu anderen Menschen dazu führen kann, dass ein Mensch besondere Ausdauer, Geschicklichkeit und Kreativität dem Leben gegenüber entwickelt, dadurch mutiger wird und sogar mehr Kompetenzen für ein freundschaftliches Miteinander entwickeln kann.
Der ruhige, feinfühlige und anspruchsvolle Film kreist um die Frage, was Glück und ein erfülltes Leben ausmachen, wie freundschaftliche Gefühle entstehen können, auch wenn die Bereitschaft dafür ganz verloren gegangen ist. Wie definiert ein Mensch seine Identität? Wie kann er sich frei fühlen? Wie kann die unbewusste Bewegungslinie auf eine grössere Lebensnähe hin verändert werden?
Diese Fragen werden im Film anschaulich gemacht einerseits am alleinlebenden Igor, der mit seinem Velo Biogemüse ausfährt und davon beseelt ist, mit seinem ganzen Wesen eine Freundschaft anzubieten. Andererseits an Louis, der mit sehr viel Engagement für die Hinterbliebenen ein Bestattungsunternehmen führt, sich jedoch privat ganz von den Menschen abschottet und sie sogar abschreckt.
Igor ist von Ängsten geplagt und konnte seine Einsamkeitsgefühle mit dem Lesen von Philosophen wie Plato, Epikur, Polybios, Seneca, Montaigne Descartes, Spinoza, und Nietzsche besänftigen. Es fehlen ihm aber Menschen aus Fleisch und Blut, mit denen er sich verbinden und aus dem Leben schöpfen kann.
Er kommt jedoch mit den angelesenen philosophischen Weisheiten in Verbindung zu anderen Menschen und regt sie an, weiter zu denken und zu empfinden. So stellt er im Krankenhaus fest, dass Angst eine traurige Leidenschaft sei und die schlimmste Form der Sklaverei (nach Baruch de Spinoza, der Philosoph der Freude -1632 -1677, der vertritt: Das Grundgesetz des Lebens ist Wachstum und die Zunahme von Handlungsfähigkeit. Daraus schöpft der Mensch Glück. Vgl. Link). Igor bietet mit Friedrich Nietzsche (1844–1900 n. Chr.) einen Ausweg an: «Es soll der grösste innere Antrieb sein, das Leben so zu gestalten, dass man sich wünschst, dasselbe wieder zu erleben.»

Igor überzeugt Louis nach und nach, sich zu befreunden, nicht nur mit ihm, sondern auch mit anderen Menschen und erlebt dabei die lange ersehnte Freiheit und Louis befreit sich von seiner Zurückhaltung. So überzeugt Igor den Bestatter, die Autostopperin Cathy mitfahren zu lassen, indem er Friedrich Nietzsche zitiert: «Das beste Mittel, um einen Tag zu beginnen, ist daran zu denken, ob man wenigstens einem Menschen eine Freude machen kann».
Die beiden kommen sich auch näher bei der Beschäftigung mit dem Beruf von Louis. Zur Frage des Todes zitiert Igor den Philosophen Epikur (341–270 v. Chr.), der dafür plädiert, nicht Luxus, sondern Freundschaften zu leben und die Schmerzen nicht dominieren zu lassen und dadurch Seelenruhe zu erlangen. Epikur findet es deshalb nicht passend, Angst vor dem Tod und vor Göttern zu haben: «Solange wir existieren ist der Tod nicht da. Wenn der Tod da ist, dann existieren wir nicht mehr».

Der zuerst widerstrebende Louis befasst sich zunehmend mit Igor. Er bemerkt, dass dieser zwar Philosophen zitiert, aber grosse Ängste hat. Igor fühlt sich erfasst und erklärt, dass ein guter Werkzeugkasten noch keinen guten Handwerker macht.
Beide versuchen, ihre Freundschaft nach und nach zu vertiefen und sich dabei selbst besser zu verstehen und Freude am Leben zu entwickeln. Igor erinnert sich dabei an den Philosophen Polybios (200-120v. Chr.) , der meinte, wir Menschen hätten eine vage Vorstellung davon, wo das Glück zu finden sei und es sei richtig auf dem Weg dahin zu stolpern, zu taumeln, zu fallen und wieder weiter zu gehen auf dem Weg dahin. Dazu gehört auch, Bevormundungen durch das Leben oder andere Menschen zu erkennen und sie zu überwinden. Diese Versuche, sich von den Einschränkungen des meist unbewussten Lebensentwurfes frei zu machen und sich mit anderen zu verbinden, werden im Film anschaulich dargestellt.
So finden sich Igor und Louis darin, sich immer besser kennenzulernen und dabei ihr Abgeschrecktsein von den Menschen aufzulösen, Anschluss zu finden und ein reichhaltigeres Leben zu entwickeln. Sie erkennen beim zunehmenden Erfassen des anderen, dass sie – so unterschiedlich sie zunächst erschienen sind – am Ende gar nicht so anders sind. Sie erkennen, dass sie von ähnlichen Sorgen geplagt sind, die dem anderen nahekommen und dadurch der Wunsch entsteht, immer selbstverständlicher mitzuhelfen, diese zu lösen.

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