Dienstag, 05. November 2019
Freundschaften
2019, Kalender, VorträgeWie entsteht Nähe? Wie gelingt ein Rückhalt für das Leben?
Wie entsteht Nähe? Wie gelingt ein Rückhalt für das Leben?
Viele von uns haben viele Enttäuschungen erlebt und haben sich so weit vom Leben, von einzelnen oder sogar von fast allen Menschen zumindest innerlich distanziert, dass wir uns vor weiteren schlechten Erlebnissen zu schützen erhoffen. Diese Haltung ist oft mit einem Pessimismus allgemeiner Art verbunden. Trotzdem ist der Wunsch auf eine gute Verbindung mit anderen Menschen oder auf ein erfolgreiches Leben meistens vorhanden. Manchmal kommt dies nur in kurzen Momenten im Zusammenleben zum Vorschein oder beim Anschauen von Filmen, in denen einzelne Szenen innerlich bewegen oder aufwühlen.
Wenn wir es psychologisch genau nehmen, erkennt man, dass wir das Leben unbewusst meist genau so interpretieren, wie wir es als kleines Kind erlebt haben. Sind die kindlichen Eindrücke so gelagert, dass Herausforderungen interessant und sogar beglückend sein können, dann kann ein Kind zuversichtlich und vertrauensvoll ins Leben schauen. Fühlt sich ein Kind vom Leben geplagt oder meint, es müsse sich meistens anstrengen, um sich „über Wasser halten“ zu können, dann kann schon das Aufstehen am Morgen Mühe machen und noch viel mehr, wenn schwierige Aufgaben anstehen.
Erlebt das kleine Kind in den ersten Lebensjahren, dass es sich auf andere abstützen und Unbekanntes, Unsicherheitsgefühle und Ängste in Ruhe besprechen kann, dann wird es in der Persönlichkeit gefestigt. Seine ganze Persönlichkeit ist dann davon durchdrungen, sich gerne im Leben zu bewegen und es kann aktiv und neugierig auf Neues zugehen. Das ist in dieser Form sehr selten der Fall. Gelingt es, sich seiner unbewussten Gefühlslagen und Überzeugungen über das Leben und die Lebensbewältigung bewusst zu werden, dann können wir unsere Einschränkungen erkennen und sie überwinden.
Der kreative Tiefenpsychologe Alfred Adler wies vor 100 Jahren darauf hin, dass die Geschwisterposition einen Einfluss auf die Gefühlsentwicklung des Kindes hat.
Die Geschwistersituation gehört neben vielem anderen zu der Gefühlsumwelt, die ein Kind bei der Geburt vorfindet und mit der es sich auseinandersetzt. Daraus entwickelt es unbewusst – und nach und nach – seine eigene Stellungnahme zum Leben. Diese innere Überzeugung ergibt sich nicht automatisch aus der Umwelt – wie die Geschwistersituation -, sondern ist ein schöpferischer Prozess des Kindes, der unterschiedlich verläuft. Jedoch wirkt sich auch die Geschwistersituation immer auf die Art aus, wie jeder Mensch glaubt, das Leben bewältigen zu können und bewältigen zu müssen.
So kann ein ältestes Kind mit der Zeit dazu neigen, anderen gerne zu helfen. Es kann aus seiner Position aber auch – unbewusst – schliessen, dass es sich im Leben immer dagegen wehren muss, anderen helfen zu müssen. Ein anderes älteste Kind freut sich, wenn es immer vorne ist. Es kann vielleicht sogar nur leben, wenn es anderen voraus ist. Ein anderes Ältestes erlebt es als mühselig, immer mehr wissen und können zu müssen als andere.
Ein jüngeres Kind kann einen unbewussten Glaubenssatz im Gefühl entwickeln, sich immer schwach geben zu müssen, weil es meint, dann leichter zu leben. Ein anderes jüngeres Kind entwickelt hingegen einen grossen Ehrgeiz, nie als klein angesehen zu werden.
Ein Einzelkind kann seine Position unbewusst so deuten, dass es immer gesehen werden muss, damit es vorankommen kann. Ein anderes Einzelkind versucht ständig angestrengt zu vertuschen, dass es noch nicht so viel kann.
Wenn man sich selbst und andere verstehen will, dann hilft es sehr zu verstehen, wie die Geschwistersituation das jeweilige spontane Fühlen, Denken und Handeln beeinflusst hat und beeinflusst.
In der Erziehung geht es für den Erziehenden und die Lehrperson nicht darum, das Kind in die richtige Richtung zu lenken, sondern zu erahnen oder zu erkennen, wie das Kind die eigene (Geschwister-) Situation deutet und sich das Leben entsprechend einzurichten versucht. Wenn man emotional verbunden ist und sich psychologische Kenntnisse angeeignet hat, kann man dem Kind helfen, die Fehldeutungen im Gefühl zu erfassen und zu korrigieren.
8. Juni: Was tun, wenn Kinder schreien, toben, rebellieren?
13. Juli: Innere Unruhe – Nervosität – ADHS: Ursprung und Ausweg
14. Sept: Zögern – Hinausschieben – Vertagen: Was tun?
5. Okt: Wie überwindet man die Ungeduld als Erzieher und als Lehrperson?
9. Nov: Schüchtern – zurückhaltend – vorsichtig: Auswege
7. Dez: Wie kann mehr Lebensmut als Grundlage von Glück und Zufriedenheit entstehen?
Eltern und Erzieher wissen oft nicht weiter, wenn Kinder oder Jugendliche rebellieren und schreien oder gar toben. Meist wird versucht, eine Möglichkeit herauszufinden, wie man diese störenden Verhaltensweisen vermeiden könnte.
Psychologisch gesehen geht es jedoch zunächst darum zu erfassen, in welche Notlage Kinder oder Jugendliche geraten sind, so dass sie glauben, sie könnten sich manchmal nur auf diese Art und Weise einbringen. Die Frage lautet immer: Was spielt sich im seelischen Haushalt eines Heranwachsenden ab? Was hat ein Kind bis zu dem Zeitpunkt erlebt? Wie deutet es – meist unbewusst – aufgrund dieser Erlebnisse die Welt? Mit welchen Mitteln und Gefühlen glaubt es, müsste es durchs Leben kommen?
Glaubt ein Kind zum Beispiel, es würde nur gesehen, wenn die Mitmenschen sofort reagieren, wenn es sich unwohl fühlt, dann ist es schnell enttäuscht und muss oft auf sein Gefühl aufmerksam machen, dass es sich zu kurz gekommen fühlt, – auch mit Schreien oder sogar Toben. Erlebt ein Kind sehr viel Ablehnung und Kritik, emotionale Vernachlässigung oder ständig unvorhersehbare Emotionen, dann kann es passieren, dass es sich dagegen wehrt und sogar rebelliert. Es kann passieren, dass es bei scheinbarer oder tatsächlicher Zurückweisung ganz angespannt wird – wie im Film «Systemsprenger» dargestellt.
Rebellion in der Jugend ist jedoch genauso wenig ein Teil der notwendigen Entwicklung, wie oft angenommen, um sich ablösen zu können, wie das Trotzalter, um selbständig zu werden. Das Gefühl, sich wehren zu müssen ist stattdessen Ausdruck der unbewussten psychischen Einstellung zur Welt, die in der frühen Kindheit im Wechselspiel mit den Erziehenden entsteht.
Der Ausweg besteht darin zu erfassen, wie der seelische Haushalt des Kindes funktioniert. Dafür braucht es viel psychologisches Wissen und eine forschende Haltung. Darüberhinaus muss ein Kind Vertrauen zu mindestens einem Menschen aufbauen, indem dieser verstehend, emotional annähernd sich mit dem Kind so befasst, dass es die maladaptiven Gefühlslagen und Bewältigungsmuster ablegen und eine gemeinschaftsbildende Eigenständigkeit entwickeln kann.
Schon vor 100 Jahren hat der Tiefenpsychologe Alfred Adler eine fundierte Abhandlung über den nervösen Charakter geschrieben und im weiteren anhand verschiedener Fallbeispielen in seinen Büchern «Kindererziehung» und «Technik der Individualpsychologie 2» erläutert, was hinter mangelnder Konzentration, mangelnder Aufmerksamkeit, Nervosität, Unruhe oder Verträumtheit stehen kann.
Ein Kind deutet die Erlebnisse in den ersten Lebensjahren nach einer eigenen Logik, mit der es das ganze Leben spontan und unbewusst versucht zu beurteilen. Die eigene Art zu leben folgt diesem mit Emotionen und Gedanken abgesicherten Lebensentwurf. Das Kind bildet sich ein unbewusstes Ziel, wie es meint, gut leben zu können. Kann es dieses Ziel vermeintlich oder tatsächlich nicht erreichen, so gerät es in Stress. Dann versucht es mit allen tauglichen und untauglichen Mitteln, dieses doch zu erreichen. Je aktiver und sicherer es ist, was es erreichen will, umso stärker. Es kann dabei sogenannt extrem unruhig, hyperaktiv werden, impulsiv sich wehrend gegen die scheinbar falsche Welt, deshalb auch unaufmerksam und unkonzentriert oder zurückgezogen verträumt. Dauert diese Unruhe, Impulsivität und verminderte Aufmerksamkeit durchgehend länger als 6 Monate und ist in 2 bis 3 Lebensbereichen vorhanden, sprechen heute einige von einem ADHS. Man nimmt an, dass 5 – 8% aller Kinder sich in einem solchen – unverstandenen – Zustand befinden. Interessanterweise stellt man jedoch fest, dass diese Stressreaktionen plötzlich nicht vorhanden sind, wenn ein Kind sich für eine Sache interessieren kann, es also glaubt, dass es erfolgreich sein kann.
Erlebt ein Kind zum Beispiel, dass es sich wohlfühlt, wenn es von liebenden Eltern umsorgt wird, ohne dass es sich selbst aktiv beteiligt, kann es sich vernachlässigt fühlen, wenn es diese Art der liebevollen Zuwendung nicht mehr in gleichem Masse bei der Geburt eines Geschwisters oder bei anderen Kindern oder in der Schule erhält. Es versucht unbewusst, die ursprünglich erlebte Gefühlswelt wieder herzustellen. Gelingt das nicht oder nicht vollständig, kann es nervös werden, sich dagegen auflehnen, heftig oder wütend werden, motorisch unruhig werden oder sich zurückziehen, wenn es in seiner Not nicht verstanden wird.
Durch jahrzehntelange Forschungstätigkeit weiss man inzwischen, dass bei diesem Stressvorgang weniger Dopamin, Serotonin und Noradrenalin vorhanden sind und dafür mehr Cortisol.
Leider leiten viele aus diesen bahnbrechenden Erkenntnissen fälschlicherweise ab, dass diese Veränderungen sogenannter Neurotransmitter die Ursache des Problems darstellen, die man durch Zufuhr verschiedener Mittel wieder verändern will.
Ich vertrete im Vortrag die Überzeugung, dass jedes Kind mit diesen langdauernden Stressreaktionen nicht einfach unter einer Reizüberflutung leidet, sondern sein Leben mit fehlangepassten (maladaptiven bzw. dysfunktionalen) Mustern zu bewältigen versucht, daran scheitert und deshalb gestresst ist. Unsere Aufgabe ist es deshalb, diese falschen Annahmen über das Leben und die verfehlten Gangarten zu erkennen und mit dem Kind zusammen die realitätsangepassten Lebensziele und Gefühlsüberzeugungen zu entwickeln.
14. Sept: Zögern – Hinausschieben – Vertagen: Was tun?
5. Okt: Wie überwindet man die Ungeduld als Erzieher und als Lehrperson?
9. Nov: Schüchtern – zurückhaltend – vorsichtig: Auswege
7. Dez: Wie kann mehr Lebensmut als Grundlage von Glück und Zufriedenheit entstehen?
Viele Menschen leiden darunter, dass sie nicht ausdauernd, konzentriert und schnell genug vorankommen können, sogar bei Tätigkeiten, die ihnen eigentlich gefallen oder die unbedingt gemacht werden müssen. Viele haben einen Plan gemacht, die Zeiten aufgeteilt, Pausen eingebaut, genau überlegt, was zuerst kommen soll und was später, haben sich mit anderen abgesprochen und die Arbeit in kleine Einheiten aufgeteilt, die Essenszeiten bestimmt und doch klappt die Sache nicht. Zum Beispiel sollte ein Text abgegeben werden, aber es geht nicht vorwärts, weil man an den Worten herumfeilt, erst noch den Anfang des Textes verbessert anstatt weiterzuschreiben, unbedingt noch schnell das sms beantwortet, den Tisch erst aufräumen muss, noch etwas zu trinken braucht, die Nägel feilen muss, die Brille putzen, mit dem Kollegen noch kurz schreiben, ein Filmchen schauen oder ein paar Pilates-Übungen machen, ein bisschen Musik hören, um in eine bessere Stimmung zu kommen, vielleicht auch noch kurz etwas einkaufen oder sogar etwas backen und zum Schluss wird einer müde und schläft kurz seinen power-nap oder unterstreicht erst mal das Wichtigste bevor es weitergeht oder liest noch etwas in Wikipedia zu einem angrenzenden Gebiet.
Aber man kann sich auch erst gar nicht an die Sache hinsetzen, weil es noch viele wichtige Dinge vorher zu tun gibt: Blumen giessen, die Ferien vorbereiten, Maschine ausräumen oder einräumen, sich über Sonderangebote informieren, gesund kochen – was leider etwas länger braucht- , aber dafür gut für die Konzentration ist.
Es kann aber auch sein, dass man sich bevor man anfängt, schon Gedanken macht, was alles auf einen zukommt und sich hintersinnt und schlechte Stimmung aufbaut, so dass man seine Aufgabe lieber auf den nächsten Tag verschiebt, an dem man hofft, eine bessere Stimmung oder schöneres Wetter vorzufinden.Oder man verschiebt der auf eine andere Tageszeit, in der der Biorhythmus besser sein soll. Man kann sich lange fragen, ob etwas nicht zu schwer ist, kann sich trösten lassen von anderen und sich gute Ratschläge holen – ohne anzufangen.
Fast jeder und jede weiss, wie gut man sich ablenken kann und immer gut begründen kann, warum man jetzt nicht anfängt oder nicht weitermacht. Viele lehnen sich zusätzlich dafür ab, dass sie nie ideal vorankommen. Die einen sind froh, wenn sie im home-office nicht so stark kontrolliert werden oder ärgern sich, dass man sich alleine antreiben soll, andere quetschen sich im letzten Moment noch gekonnt viele Informationen zusammen oder haben am Schluss einen klaren Kopf in der sicheren Überzeugung, dass es doch noch ganz gut geworden ist – angesichts der knappen Zeit. Und andere enden mit einer grossen Nervosität, nachdem die «deadline» immer näher gerückt war und es kein Entrinnen mehr gab, dass etwas fertig werden musste und dafür auch eine Nachtschicht herhalten musste. Manche wollen dann dieses Hinausschieben oder Prokrastinieren, diesem mangelhafte Zeitmanagement oder falscher Prioritätensetzung damit begegnen, dass man sich genau an eine Vorgabe hält. Manchmal hilft das auch, oft aber auch nicht.
Psychologisch gesehen geht es auch in diesem Verhalten vorrangig darum, was für Haltungen zum Leben dieses Hinausschieben und Verzögern ausmachen. Wir können dies bei jedem Einzelnen in seiner Lebensgeschichte nachvollziehen, die dazu geführt hat, dass man das Leben teilweise und unbewusst auf eine untaugliche Art anpackt.
So kann es sein, dass sich jemand immer damit beschäftigen muss, alles zuerst darauf zu untersuchen, ob eine Aufgabe schnell zu machen ist. Kann er es sicherlich nicht schnell genug machen, vergeht ihm die Lust, wird müde, lässt sich ablenken.
Ein anderer freut sich an jedem kleinen Erfolg und verbleibt dabei, womit er verhindern kann, dass befürchtete Misserfolge eintreten.
Ein Dritter zögert, die Ausbildung abzuschliessen, weil er sich das Berufsleben nicht vorstellen kann.
Ein Vierter hat Erfolg beim anderen Geschlecht oder bei Freunden, ist besser geübt, doch ist er angespannt, sobald er eine Aufgabe alleine lösen sollte, weil er da nie sicher ist, ob es gut geht.
Ein fünfter hat Angst vor Kritik und vermeidet es, dass er einen Fehler machen kann und shciebt deshalb alles hinaus.
Ein Sechster sucht ständig danach, ob ihm jemand etwas abnehmen kann, weil er das besonders gut erlebt.
Wenn wir also einen Ausweg für dieses Zögern und Hinausschieben finden wollen, müssen wir die individuellen Gründe dafür herausarbeiten und sie hinterfragen.
Wir werden im Vortrag ausführlich darüber sprechen. Sie sind herzlich eingeladen mitzusprechen
5. Okt: Wie überwindet man die Ungeduld als Erzieher und als Lehrperson?
9. Nov: Schüchtern – zurückhaltend – vorsichtig: Auswege
7. Dez: Wie kann mehr Lebensmut als Grundlage von Glück und Zufriedenheit entstehen?
Wie die Kinder in den ersten Lebensjahren die Welt und die Mitmenschen erleben, entscheidet darüber, wie weit sie fähig sind, Interesse füreinander und für die Welt aufbringen zu können. Was Kinder mit ihren Bezugspersonen erleben, deuten die kleinen Kinder, und bauen daraus unbewusst ihre Persönlichkeit auf, die sich weiter vertieft und verfestigt, wenn die weiteren Erlebnisse in dieselbe Richtung gehen. Kann ein Kind aus den Erlebnissen in den ersten Lebensjahren das Gefühl ziehen, dass es eigenständig und mit den anderen Menschen zusammen das Leben zuversichtlich anpacken kann, dann kann es alle Herausforderungen so anpacken, dass es sich immer wohler fühlt und die Welt friedlich mitgestalten kann.
Wer so mutig ist, sich der erfüllenden und bereichernden Erziehungsaufgabe als Eltern, Erzieher oder Lehrerin zu stellen, merkt meistens, dass er oder sie von Gefühlen gepackt wird, die man lieber nicht hätte und sogar ablehnt, wenn man bei Verstand ist. Dazu gehört auch die Ungeduld, die sich manchmal mit Ärger oder sogar Wut paart.
Ungeduld nährt sich aus verschiedenen Quellen, die oft unbewusst sind. Manchmal fühlt man sich von den anvertrauten Kindern oder Jugendlichen abgelehnt, manchmal nicht ernst genommen, manchmal klein gemacht, manchmal ausgelacht und manchmal bekämpft. Es kann aber auch sein, dass man sich zu viel vorgenommen hat. Oder man unterschätzt, wie lange man selbst gebraucht hat, um etwas zu lernen, oder wie viel man sich selbstverständlich angeeignet hat und fordert zu viel ein. Oder man strebt im Leben an, alles schnell oder korrekt zu erfüllen und freut sich zu wenig am Fortschritt von sich selbst und anderen. Oder man glaubt nicht, dass die Kinder gerne vorankommen und zeigt ihnen zu wenig und erhofft stattdessen, dass sie sich von alleine entfalten würden – und das tun sie nicht. Oder man kann nicht nachvollziehen, was ein Kind beschäftigen könnte, wenn es untaugliche Verhaltensweisen an den Tag legt. Oder man kann sich nicht erklären, wieso ein Kind auch nach vielen Versuchen scheinbar oder tatsächlich nicht zuhört, sogar das Gegenteil macht, in sich gekehrt bleibt, sich verweigert, unruhig oder aufsässig ist, bestimmen will, sich streitet oder aggressiv.
Ungeduld kann schwächer werden, wenn man versteht, was einen selbst antreibt und wie das Kind versucht, das Leben zu bewältigen. Es braucht dazu langdauerndes Interesse an und viel Wissen über die psychologischen Zusammenhänge im seelischen Haushalt, Freude an den Menschen und an den Kindern und eine forschende Haltung mit anderen zusammen.
Wir werden im Vortrag ausführlich darüber sprechen. Sie sind herzlich eingeladen mitzusprechen.
9. Nov: Schüchtern – zurückhaltend – vorsichtig: Auswege
7. Dez: Wie kann mehr Lebensmut als Grundlage von Glück und Zufriedenheit entstehen?
Viele Menschen sind in vielen Situationen oder ganz generell zurückhaltend und vorsichtig, manche sogar schüchtern. Obwohl alle gerne mit anderen gut gestimmt und auch befreundet sein wollen und sich gerne unterhalten, brauchen die meisten lange oder es gelingt gar nicht, dass sie auf andere zugehen oder sich befreunden. Viele glauben, dass sie so wenig zu bieten oder zu sagen haben, dass sie es auch bei einem Treffen mit Bekannten oder Freunden nur länger aushalten, wenn sie Alkohol trinken oder Cannabis rauchen. Viele zweifeln an sich oder sind unsicher, ob man interessant genug ist, versuchen alles korrekt zu machen und nicht aufzufallen, weshalb sie gehemmt und angespannt sind und davon ausgehen, dass andere sie ständig schlecht beurteilen. Die einen wirken dann schüchtern, weil man ihnen diese innere Not ansieht. Andere treten selbstbewusst auf oder wehren sich ständig gegen vermeintliche Kritik und sind trotz allem zutiefst verunsichert.
Die langanhaltenden Massnahmen der letzten 18 Monate und die ständige Aufforderungen, sich distanziert zu anderen Menschen zu verhalten, ist bei vielen auf einen bereits vorhandenen fruchtbaren Boden gefallen, dass man am besten misstrauisch gegenüber anderen sein muss und sich am besten zurückzieht. Diejenigen, die sich unter Menschen meist anstrengen, waren zum Teil froh, mussten sie sich nicht abmühen. Andere genossen es, vor allem mit vertrauten Menschen Kontakte zu haben und nicht mehr so stark zu spüren, wie vorsichtig oder gar ängstlich sie bei vielen Menschen sind. Die meisten Menschen vermissten jedoch die Möglichkeiten, sich auch ausserhalb der Familie mit vielen anderen auszutauschen, auch wenn sie dabei zurückhaltend sind.
Wie können wir uns erklären, dass so viele Menschen generell vorsichtig und zurückhaltend sind und selten aus sich heraus kommen können, wo wir doch Artgenossen sind und auf Kooperation angelegt sind?
Auch wenn die meisten in den ersten Lebensjahren sehr häufig erlebt haben, dass ihre Eltern alles dafür tun, dass es ihren Kindern gut geht. Und auch erlebt haben, dass ihre Erzieher und Betreuer in der Kindertagesstätte, im Kindergarten und im Kinderhort, in der Schule und in vielen Vereinen und Clubs ganz engagiert und oft hilfsbereit waren. So haben doch sehr viele erlebt, dass die Verbindung zu den Erziehern abgeschnitten wurde, wenn sie sich nicht richtig benommen haben. Die Erziehenden waren oft nicht richtig informiert, so dass sie ganz heftig oder gar mit Schlägen glaubten, dem Kind das falsche Verhalten austreiben oder abtrainieren zu können. Oft benutzen Erziehende und Lehrende dafür – hilflos oder überzeugt – zudem traurige und enttäuschte Gefühle und Gesichter, time-outs und Drohungen mit Konsequenzen. Solche Massnahmen entfremden das Kind von ihren nächsten Beziehungspersonen und vermitteln, dass man im Leben vorsichtig sein muss.
Genauso kann es passieren, dass ein Kind sich zusammenreimt, es werde abgelehnt, wenn man ihm nicht wie in den ersten Kinderjahren alles vorausahnt und abnimmt oder von anderen erkannt wird, was es gerade braucht. Dann ist es enttäuscht von der Welt und fühlt sich unwohl und ist deshalb zurückhaltend oder gar schüchtern.
Es kann aber auch sein, dass sich ein Kind nur dann geliebt fühlt, wenn es stark umsorgt wird. Es kann unbewusst eine Schüchternheit oder Zurückhaltung entwickeln: mit dem Ziel, dass andere das Leben erleichtern. Es muss dann weiterhin zurückhaltend bleiben, auch wenn es geliebt wird und sich frei und gefühlsverbunden im Leben bewegen könnte.
Auswege ergeben sich dadurch, dass ein Mensch die jeweils individuellen Hintergründe erfasst und sich das Ziel setzen kann, seine verfehlten Gefühlsüberzeugungen zu hinterfragen und aufzulösen.
Frieda ist sieben Jahre alt und besucht eine erste Primarschulklasse. Sie hat eine jüngere Schwester und einen jüngeren Bruder. Friedas Eltern arbeiten beide Teilzeit in guter Position und bemühen sich sehr um ihre Kinder. Demzufolge kann man Frieda als ein sehr gefördertes Kind bezeichnen. Da Frieda viele Interessen hat, sich sehr gut artikulieren kann, für ihr Alter viel weiss und zudem sehr kreativ ist, rechnet niemand damit, dass es Beschwerden von den Lehrerinnen in der Primarschule geben könnte. Und dennoch sieht sich die Mutter bald damit konfrontiert.
(mehr …)Dieser Beitrag beschäftigt sich mit Schwierigkeiten in der Partnerschaft und den Möglichkeiten, diese zu erkennen, zu erklären und daraus Lösungen zu entwickeln.
(mehr …)In diesem Aufsatz werden von erfahrenen Gruppenpsychotherapeuten verschiedene Aspekte der Gruppenpsychotherapie dargestellt: die theoretischen Grundlagen, die Art der Gruppenbildung, die Wirkfaktoren sowie die Anforderungen an den Therapeuten. Das zugrundeliegende Menschenbild ist das des sozialen Wesens, das von Natur aus ganz auf seine Mitmenschen bezogen ist und dadurch in den ersten Lebensjahren ein Welt- und Selbstbild entwickelt, das die Gefühle und Handlungen im späteren Leben leitet. Dieses unbewusste Schema kann Irrtümer enthalten, welche die Ursache von psychischen Problemen bilden. In der Gruppenpsychotherapie werden fehlerhafte Überzeugungen korrigiert durch Aufklärung über den Menschen, Vertrauensbildung, gegenseitige Hilfe, Förderung des Gemeinschaftsgefühls und besonders die Analyse der grundlegenden Gefühlshaltungen in einer gleichwertigen und offenen Stimmung. Entscheidend ist dabei, dass sich der Therapeut mit den Teilnehmern gleichwertig fühlt, sich seiner eigenen Gefühlsüberzeugungen bewusst ist, sich nicht besser fühlt, eine forschende Haltung einnimmt, viel Wissen über den Menschen und dessen Gefühlsabläufe besitzt und diese laufend erweitert.
(mehr …)Ein Beispiel – psychologisch erklärt
(mehr …)Dieser Vortrag beleuchtet die Eifersucht als erworbene Gefühlslage und zeigt anhand von Beispielen, wie sie Ursache für Schwierigkeiten unter Kindern, bei Liebespaaren und am Arbeitsplatz sein kann.
(mehr …)Alfred Adler (1870 bis 1937) begründete eine der drei klassischen tiefenpsychologischen Schulen neben Sigmund Freud und Carl Gustav Jung. Adler nannte seine Lehre des sozial orientierten Menschen «Individualpsychologie». Er wollte mit dieser Bezeichnung die Unteilbarkeit der menschlichen Persönlichkeit betonen und grenzte sich damit bewusst von Persönlichkeitstheorien ab, die den Menschen in verschiedene Instanzen unterteilen wollten.
(mehr …)Lernschwierigkeiten fallen weder einfach plötzlich vom Himmel noch sind sie angeboren. Jeder Mensch, der von sogenannten Lernproblemen betroffen ist, bringt vielmehr seinen individuellen Erfahrungshintergrund mit und eine Art und Weise, mit der er ins Leben und Lernen eingeführt wurde und aus der heraus man erklären und verstehen kann, warum es zu Lernschwierigkeiten kommt. Dieses Verständnis bildet die Basis dafür, alle Lernschwierigkeiten zu überwinden.
(mehr …)Dieser Vortrag zeigt auf, dass wir sehr gut erklären können, wie ein Mensch in den ersten Lebensjahren unruhig, nervös, gestresst und unaufmerksam werden kann, wenn wir psychologisch denken lernen. Wenn wir uns verbindend, zuversichtlich und mit dem richtigen psychologischen Verständnis solidarisierend in einen anderen Menschen einfühlen und dabei Zusammenarbeit und keine Behandlung von aussen suchen, dann haben wir gute Chancen, selbst heftigste Phänomene von Unruhe, Nervosität, Hyperaktivität, Impulsivität, Unaufmerksamkeit oder Verträumtheit zu überwinden.
(mehr …)Dieser Vortrag beschäftigt sich mit dem Verständnis der Sexualität, wie es von Christoph Ahlers in seinem Buch «Vom Himmel auf Erden – Was Sexualität für uns bedeutet» näher dargelegt wird. Im Zentrum stehen dabei Kommunikations- und Beziehungsfunktion der Sexualität, Sex als Mittel um geborgen, angenommen und zugehörig zu sein. Mit diesem Verständnis lassen sich viele gängige Schwierigkeiten in der Sexualität erklären und überwinden.
(mehr …)Wir begrüssen Sie alle sehr herzlich im Namen des Vereins für Soziale Bildung, die Sie hierhergekommen sind, so viele – 120 –, und es sind leider noch 20 krank und 50 wären sehr gerne gekommen, hatten aber schon etwas anderes vor. Wir freuen uns sehr, dass wir heute die Eröffnung der Räumlichkeiten in Dübendorf feiern können.
Ich trage Ihnen jetzt in kurzen Worten vor, wer wir sind, was unser Anliegen ist und was wir konkret unternehmen wollen. Anschliessend findet ein Essen mit grossem Buffet statt – eine grosse Leistung der freiwilligen Helfer.
(mehr …)Dieser Vortrag zeigt, dass wir sehr gut erklären können, wie ein Mensch in den ersten Lebensjahren unruhig, nervös, gestresst und unaufmerksam werden kann, wenn wir psychologisch denken lernen. Die Aufgabe der Psychologie und in diesem Fall auch der Pädagogik besteht ja darin, nicht einfach ein Problem festzustellen und mit einem Namen zu benennen, sondern die psychologischen Schwierigkeiten im Leben aufzurollen und zu verstehen, und aufgrund dieser Erkenntnisse diese Schwierigkeiten dann zu beheben.
(mehr …)Empfindlichkeit, Beleidigtsein und Rückzug sind weder angeborene Veranlagung noch Zufall, sondern vielmehr entspringen sie als Gefühlslagen der grundsätzlichen Haltung des Menschen zum Leben und dem jeweils individuellen unbewussten Lebensstil. Diese unbewussten Überzeugungen lassen sich ändern, so dass die Empfindlichkeit als Ausdruck der Distanz zu den Mitmenschen durch eine immer mehr zunehmende Zusammenarbeit und durch ein Zugehörigkeitsgefühl abgelöst wird, durch Freude am Zusammensein.
(mehr …)Der Mensch entwickelt aus seinen Gefühlseindrücken in den ersten Lebensjahren unbewusst eine Meinung darüber, was er sich vom Leben versprechen und wie er darin eine Bedeutung bekommen kann. Er antwortet darauf mit seiner eigenen Art, das Leben zu bewältigen, mit einem Lebensstil, einem Lebensschema, einem Skript, mit dem er das ganze weitere Leben wahrnimmt, beurteilt und zu bewältigen versucht. Wer die Aufgaben des Lebens erfolgreich bewältigt, handelt so, als ob er aus freien Stücken anerkennt, dass der Sinn des Lebens Anteilnahme an anderen und Zusammenarbeit mit ihnen ist. Er scheint, bei allem, was er tut, vom Gedanken an das Wohl der Mitmenschen geleitet zu sein.
(mehr …)Wir wollen alle gerne mit anderen gut auskommen, insbesondere mit Menschen, die uns nahestehen, sei es in der Partnerschaft oder bei den eigenen Kindern, in der sonstigen Familie, bei Freunden, im Verein oder im beruflichen Umfeld.
(mehr …)