Wie die Kinder in den ersten Lebensjahren die Welt und die Mitmenschen erleben, entscheidet darüber, wie weit sie fähig sind, Interesse füreinander und für die Welt aufbringen zu können. Was Kinder mit ihren Bezugspersonen erleben, deuten die kleinen Kinder, und bauen daraus unbewusst ihre Persönlichkeit auf, die sich weiter vertieft und verfestigt, wenn die weiteren Erlebnisse in dieselbe Richtung gehen. Kann ein Kind aus den Erlebnissen in den ersten Lebensjahren das Gefühl ziehen, dass es eigenständig und mit den anderen Menschen zusammen das Leben zuversichtlich anpacken kann, dann kann es alle Herausforderungen so anpacken, dass es sich immer wohler fühlt und die Welt friedlich mitgestalten kann.
Wer so mutig ist, sich der erfüllenden und bereichernden Erziehungsaufgabe als Eltern, Erzieher oder Lehrerin zu stellen, merkt meistens, dass er oder sie von Gefühlen gepackt wird, die man lieber nicht hätte und sogar ablehnt, wenn man bei Verstand ist. Dazu gehört auch die Ungeduld, die sich manchmal mit Ärger oder sogar Wut paart.
Ungeduld nährt sich aus verschiedenen Quellen, die oft unbewusst sind. Manchmal fühlt man sich von den anvertrauten Kindern oder Jugendlichen abgelehnt, manchmal nicht ernst genommen, manchmal klein gemacht, manchmal ausgelacht und manchmal bekämpft. Es kann aber auch sein, dass man sich zu viel vorgenommen hat. Oder man unterschätzt, wie lange man selbst gebraucht hat, um etwas zu lernen, oder wie viel man sich selbstverständlich angeeignet hat und fordert zu viel ein. Oder man strebt im Leben an, alles schnell oder korrekt zu erfüllen und freut sich zu wenig am Fortschritt von sich selbst und anderen. Oder man glaubt nicht, dass die Kinder gerne vorankommen und zeigt ihnen zu wenig und erhofft stattdessen, dass sie sich von alleine entfalten würden – und das tun sie nicht. Oder man kann nicht nachvollziehen, was ein Kind beschäftigen könnte, wenn es untaugliche Verhaltensweisen an den Tag legt. Oder man kann sich nicht erklären, wieso ein Kind auch nach vielen Versuchen scheinbar oder tatsächlich nicht zuhört, sogar das Gegenteil macht, in sich gekehrt bleibt, sich verweigert, unruhig oder aufsässig ist, bestimmen will, sich streitet oder aggressiv.
Ungeduld kann schwächer werden, wenn man versteht, was einen selbst antreibt und wie das Kind versucht, das Leben zu bewältigen. Es braucht dazu langdauerndes Interesse an und viel Wissen über die psychologischen Zusammenhänge im seelischen Haushalt, Freude an den Menschen und an den Kindern und eine forschende Haltung mit anderen zusammen.
Wir werden im Vortrag ausführlich darüber sprechen. Sie sind herzlich eingeladen mitzusprechen.
Weitere Vorträge 2021:
9. Nov: Schüchtern – zurückhaltend – vorsichtig: Auswege
7. Dez: Wie kann mehr Lebensmut als Grundlage von Glück und Zufriedenheit entstehen?